Anpfiff zur Rückrunde: Christian Leben im Interview
Am Sonntag startet unsere Mannschaft in die Rückrunde. Zeit für einen kurzen, aber ehrlichen Blick zurück und nach vorn: Unser Sportlicher Leiter Christian Leben spricht über Überraschungen der Hinserie, eine herausfordernde Wintervorbereitung, die Kaderentwicklung und seine Wünsche für die kommenden Monate.
Was hat dich in der Hinserie positiv überrascht – und wo siehst du noch das größte Entwicklungspotenzial?
Rückblickend haben mich vor allem unsere drei Auswärtssiege in Hilden, Baumberg und Homberg positiv überrascht. Diese Aufgaben gehören zu den schwierigsten der Liga, und dort jeweils die volle Punktausbeute mitzunehmen, ist absolut bemerkenswert. Trotz unserer vier Vizemeisterschaften in zehn Jahren Oberliga ist uns dieses Kunststück innerhalb einer Saison bislang sicher noch nicht gelungen.
Gleichzeitig muss ich offen sagen, dass ich mir in dem einen oder anderen Heimspiel etwas mehr erhofft hatte. Das größte Entwicklungspotenzial sehe ich aktuell in unserem Spiel mit Ball. Wir erspielen uns noch zu wenige klare Torchancen, agieren im letzten Drittel zu ungenau und strahlen insgesamt zu wenig Torgefahr aus. In den vergangenen Jahren hat uns gerade diese offensive Durchschlagskraft ausgezeichnet – wir haben gegnerische Abwehrreihen regelmäßig vor große Probleme gestellt. Daran wollen wir wieder anknüpfen.
Für die Rückrunde bin ich aber sehr optimistisch. In dieser Mannschaft steckt enorm viel Potenzial, das wir – auch bedingt durch die vielen Veränderungen im Sommer – noch nicht vollständig auf den Platz gebracht haben. Ich bin überzeugt, dass wir uns in diesem Bereich noch deutlich steigern werden.
Wie verlief die Wintervorbereitung?
Die Wintervorbereitung war in diesem Jahr eine echte Herausforderung. Nicht die Ergebnisse der Testspiele waren das Problem, sondern die Rahmenbedingungen. Über Tage hinweg konnten wir wegen des Wetters überhaupt nicht auf den Platz, und als es endlich möglich war, standen wir teilweise nur mit zehn bis zwölf Feldspielern da. Verletzungen und Krankheiten – es kam wirklich alles zusammen.
Vor diesem Hintergrund sollte auch nachvollziehbar sein, warum wir in einer ohnehin nur vierwöchigen Vorbereitung nicht zusätzlich noch an den traditionell sehr hart umkämpften Hallenstadtmeisterschaften teilnehmen konnten. Die Jungs brauchen jede Minute auf dem Platz, und die wollten wir nicht riskieren. Zumal der Untergrund selbst nach der Freigabe des Platzes oft extrem rutschig war. Da trainierst du automatisch mit angezogener Handbremse, weil sich niemand kurz vor dem Rückrundenstart verletzen will. Ohne maximale Intensität bekommst du aber keine echte Wettkampfhärte.
Trotz allem haben wir das Beste aus der Situation gemacht. Am Ende standen auch die anderen Teams vor ähnlichen Herausforderungen – jeder musste kreativ werden.
Wie bewertest du die Kaderveränderungen im Winter insgesamt?
Wir haben unseren zu Beginn der Saison recht großen Kader in der Winterpause zunächst um fünf Spieler verkleinert. Durch die langfristigen Ausfälle von Hugo Schmidt, Simon Skuppin und Malik Timmerberg mussten wir anschließend aber noch einmal aktiv werden.
Mit Noah Kosthorst, Cedric Zajkowski und Maxim Schröder haben wir nun für jeden Mannschaftsteil sehr gute Verstärkungen gefunden – und das ist im Wintertransferfenster alles andere als selbstverständlich. Die drei Jungs heben unsere Qualität spürbar an, sind bereits gut integriert und tun der gesamten Gruppe gut.
Die Stimmung in der Kabine nehme ich als sehr positiv wahr. Man merkt, dass da etwas zusammenwächst. Deshalb fühlen wir uns für die Rückrunde gut aufgestellt.
Was wünschst du dir für die Rückrunde?
Für die Rückrunde habe ich zwei ganz klare Wünsche. Erstens: Gesundheit. Wir hatten in der Hinserie genug Verletzungssorgen, deshalb hoffe ich, dass die Jungs fit bleiben und unsere drei Langzeitverletzten einen positiven Heilungsverlauf nehmen.
Zweitens wünsche ich mir, dass wir den Titelkampf noch einmal etwas offener gestalten können. Gleichzeitig hoffe ich, dass dadurch auch wieder mehr Zuschauer den Weg an den Schetters Busch finden. Diese positive Entwicklung aus der vergangenen Saison hat uns sehr gefreut, ist zuletzt aber leider etwas abgeflacht. Das kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen, denn auch wenn wir vielleicht etwas weniger Spektakel bieten als in der Saison zuvor, spielt die Mannschaft weiterhin einen sehr ansehnlichen, engagierten Fußball, der Unterstützung verdient.
Das Hinspiel in Frintrop ging verloren. Was waren die Gründe für die Niederlage zum Saisonstart?
Im Hinspiel waren wir insgesamt viel zu harmlos. Uns fehlten Tempo, Ideen und die nötige Überzeugung in unseren Aktionen. Gegen die defensiv sehr kompakt und leidenschaftlich verteidigenden Frintroper haben wir kein wirkliches Mittel gefunden.
Dazu kam ein äußerst fragwürdiger Handelfmeter gegen uns – an diesem Tag lief einfach wenig in unsere Richtung. Das war direkt zum Saisonstart ein herber Dämpfer. Umso bewusster ist uns die Schwere der Aufgabe jetzt zum Rückrundenauftakt. Wir wollen zeigen, dass wir es deutlich besser können, und haben uns fest vorgenommen, etwas gutzumachen.
